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Geschichte


Archäologische Funde aus der Jungsteinzeit (Neolithikum), wie Tonscherben mit Linearbandverzierungen und Steinbeile, bezeugen, dass unser Gemeindegebiet bereits seit frühester Zeit besiedelt war. In der älteren Eisenzeit (Hallstattkultur) wurde auf der "Leberweide", der Anhöhe südlich des Ortes, wo sich heute das Wasserreservoir befindet, ein Hügelgräberfeld angelegt, das 1891-1892 von Rudolf Hoernes, einem Neffen von Prof. Eduard Suess, ausgegraben wurde. Unter den interessanten Funden ist besonders ein großes Tongefäß, das auf der Schulter zwei plastisch modellierte erhobene Hände trägt und das sich heute im Naturhistorischen Museum in Wien befindet, zu erwähnen. Mit dem Vordringen der Römer im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde unser Gebiet Teil der römischen Provinz Pannonien. Aus dieser Epoche wurden auf den "Schlattenbruckäckern" die Grundmauern eines aus mehreren Räumen bestehenden Gutshofes (Villa rustica) freigelegt. Auf dem heutigen Gemeindegebiet fanden sich auch zahlreiche römische Kleinfunde, wie Münzen und Tonscherben. Spätrömische Gräber wurden in der Nähe des Bahnhofes entdeckt.

Der Heilige Willibald (700 bis 787), erster Bischof von Eichstätt, soll im Jahr 741 die erste Kirche in Marz errichtet haben.

Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts gehörte unsere Region zum westlichsten Teil des sich neu formierenden Staatsgebildes Ungarn; bereits 1017 wurde Marz Stephanspfarre für zehn Gemeinden, 1080 erfolgte die Gründung der Propstei St. Peter in Marz (Augustiner-Chorherren-Kloster).

Urkundlich wird der Ort im Jahr 1202 als Nachbarsiedlung von Mattersburg erstmals genannt. Mit diesem Schriftstück belehnte König Emmerich (1196-1204) einen gewissen Herzog Benedikt mit "Willa Martini", Dorf des Martinus (heute Mattersburg), das an den Ort "Mouruhc" (Dorf Marz) grenzt.

In den Jahren 1241/42 wurde das vorgenannte Kloster - wahrscheinlich im Zuge des Mongolensturmes - zerstört, jedoch bereits 1260 durch den damaligen Grundherrn aus dem Geschlecht der Osl wiederum neu gegründet. Ab dem Jahr 1312 wurde Marz Teil der Grafschaft Mattersdorf, welche bald darauf den Namen Forchtenstein annahm. Durch spätere Besitzteilungen ab etwa 1346, die für lange Jahrhunderte aufrecht blieben, wurde die innere Entwicklung von Marz wesentlich beeinflusst. Das Dorf erreichte damals mit mehr als 50 Häusern einen beträchtlichen Umfang und galt als eine der größten Bauernsiedlungen dieses Landstriches. Die Urkunde aus dem Jahr 1346 zählt die einzelnen Bauern namentlich auf und ist somit eine wertvolle Quelle für die Siedlungsgeschichte. Den Beziehungen zu Ödenburg verdanken wir die Kenntnis vieler alter Marzer Familiennamen. Der Ort war jahrhundertelang auf mehrere Grundherrschaften aufgeteilt. Jede der Grundherrschaften bestellte ihren eigenen Richter, jede Untertanengruppe bildete innerhalb des Dorfes ihre eigene Gemeinde.

Im 14. und 15. Jahrhundert waren die Bewohner des Ortes überwiegend deutsche Bauern; die urkundlichen Erwähnungen aus dieser Zeit sprechen von einer Gliederung in Lehensbauern und Hofstättern sowie von Handwerkern (Schneider, Fleischhauer), woraus auf eine differenzierte soziale Struktur innerhalb der Bevölkerung und somit auch auf ein hohes Alter der Siedlung geschlossen werden kann. Ein für die Marzer Geschichte bestimmender Faktor war stets die Nähe zur Stadt Ödenburg. Besonders in Zeiten kriegerischer Ereignisse hatte der Ort durch die Nachbarschaft zum begehrten Kampfobjekt zu leiden; andererseits hatten die Bauern durch diesen Umstand wiederum die Möglichkeit, ihr Hab und Gut rechtzeitig durch Flucht in den Bereich innerhalb der sicheren Stadtmauern zu retten. In unruhigen Tagen des Krieges brachten Marzer Bauern ihren Wein nach Ödenburg und lagerten ihn gegen Entrichtung eines "Aufschlages" an die Stadt im Zehenthof und bei verschiedenen Bürgern ein. Öfters übersiedelten auch Marzer Familien nach Ödenburg, manche von ihnen stiegen in das Patriziat (wohlhabendes Bürgertum) auf. 1456 schloss die Stadt Ödenburg mit einigen Adeligen (Liechtensteiner, Grafenecker, Enzesdorfer, Bösinger, Ellerbacher und Baumkircher) in der Marzer St.-Willibalds-Kirche einen Frieden. Kaplan Peter vom Hl.-Dreikönigs-Altar zu Ödenburg, ein gebürtiger Marzer, vermachte 1481 in seinem Testament den Verwandten in Marz zwei Weingärten und der Willibaldkirche ein Fass Wein. 1504 wurde außergewöhnlich viel Kalk von Ödenburg an die Gemeinde und die Pfarre Marz verkauft. Welchem Zweck die Kalkkäufe dienten, das ließ sich nicht mehr feststellen. Im ältesten Forchtensteiner Urbar von 1500 besitzen wir erstmals eine Übersichtsquelle über das ganze Dorf; es beweist unglaublich reges Schwanken innerhalb der Ortsbevölkerung.

Die Feldzüge der Türken in den Jahren 1529 und 1532, die vor Wien bzw. Güns letztlich erfolglos endeten, zogen sicherlich auch Marz in schwere Mitleidenschaft, obwohl wir hierfür kein direktes Zeugnis besitzen. In den darauffolgenden Zeiten der Friedensschlüsse zwischen Kaiser und Sultan war das Leben der Dorfbewohner durch die Einquartierung von kaiserlichem Militär beeinträchtigt; die ununterbrochene Frontsituation, die praktisch bis ins 17. Jahrhundert andauerte, ließ nur selten eine ungestörte Entwicklung zu; dennoch bewirkte die Bevöllkerungsexplosion des 16. Jahrhunderts ein allmähliches bedeutendes Anwachsen der Siedlung. Diese Entwicklung wurde allerdings zu Beginn des 17. Jahrhunderts jäh unterbrochen. Beim Angriff des im Dienste des aufständischen Siebenbürger Fürsten Bocskay stehenden Haiduckenobersten Nemethi auf die Stadt Ödenburg im Jahr 1605 unternahmen die mit den Rebellen verbündeten Türken und Tataren einen Überfall auf Marz, zündeten dabei das Dorf an, plünderten, mordeten und verschleppten zahlreiche Einwohner in die ewige Gefangenschaft. Während des Bethlen-Aufstandes wurde Marz 1620 neuerlich vollständig verwüstet und niedergebrannt, ebenso 1683 durch die Türken. Das 17. Jahrhundert war außerdem die klassische Zeit des Hexenwahns, von dem auch aus Marz ein Beispiel bekannt ist. Die damals beschuldigte Frau wurde aber im krassen Gegensatz zu anderen Leidensgenossinnen ihrer Zeit nach mehreren "peinlichen Befragungen" (Folter) freigelassen und aus der Grafschaft Forchtenstein verwiesen. Im Jahr 1704 wurde Marz von kuruzzischen Streifscharen abermals verwüstet und dürfte auch in den folgenden Jahren bis 1708 von der Kriegsfurie, Requirierungen und von anderer Drangsal nicht verschont geblieben sein. 1713 wütete auch hier die Pest, die schon in den Jahren 1600 und 1644 Unheil angerichtet hatte (Pestsäule von 1715).

Während der Napoleonischen Kriege kamen 1804 französische Soldaten nach Marz; sie benahmen sich hier, einer zeitgenössischen Notiz zufolge, "wie Feinde" - hinter dieser lapidaren Formulierung verbirgt sich das anonyme Leiden des Dorfes. Als unmittelbare Kriegsfolge forderte 1806 der Ausbruch der Cholera über hundert Tote im Ort.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Marz immer wieder von Feuersbrünsten und Überschwemmungen heimgesucht. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Wiener Neustadt - Ödenburg in den Jahren 1845-47 erhielt der Ort Anschluss an das neuzeitliche Wirtschaftsgefüge. Die Revolution von 1848 brachte einschneidende Veränderungen für die Ortsbevölkerung. Neben Veränderungen der Verwaltungsstruktur und ständiger Militärpräsenz war vor allem die Aufhebung der Grundherrschaft und die Durchführung der Bodenreform für die vorwiegend bäuerliche Bevölkerung von Bedeutung. 1879 wurde die Urbarialgemeinde ins Leben gerufen, die noch heute existiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Marz einige Vereine gegründet, die für den Ort wirtschaftlich und sozial von Bedeutung waren (1886 Krankenunterstützungs- und Leichenbestattungsverein, 1888 Spar- und Darlehensverein, 1890 Freiwilliger Feuerwehrverein). Im Sommer 1914 erfolgte die Kriegserklärung und die Einziehung von Marzern zum Kriegsdienst. Bis zum Kriegsende 1918 waren 67 Gefallene zu beklagen.

Nach einer Zeit politischer Wirren (Räterepublik 1919) und ständiger Verunsicherung der Bevölkerung wurde Ende 1921 der Anschluss des neuerstandenen Burgenlandes an Österreich vollzogen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Ort offiziell mit seinem ungarischen Namen "Márcfalva" geführt worden. Der Bau der Straße vom Nord- ins Südburgenland (1925) zeigte positive wirtschaftliche Auswirkungen. Die Einleitung des elektrischen Lichtes (1929) verbesserte die Lebensqualität der Menschen. Im Jahr 1930 wurde mit dem Bau einer neuen Schule begonnen, die zwei Jahre später ihren Betrieb aufnahm. Die Zwischenkriegszeit war für die Ortsbevölkerung von einer wirtschaftlichen Misere gekennzeichnet; allerdings versuchten die damaligen Gemeindevertretungen die ärgste Not durch Winterhilfsaktionen zu lindern. Der Zweite Weltkrieg brachte nach einem kurzen Aufschwung neuerlich Leid über die Dorfbewohner. Bei Kriegsende forderte der Einmarsch russischer Verbände einen hohen Blutzoll, vor allem unter den Zivilisten; Plünderungen und Vergewaltigungen folgten. Nach Wochen der Drangsal kehrte allmählich wieder Ordnung ein; in den ersten Folgejahren wurden Kriegsschäden - vor allem an der Kirche - behoben und Brücken instandgesetzt. Die 50-er, 60-er und 70-er Jahre waren vom ständigen Auf- und Ausbau der Infrastruktur geprägt. Die Verstärkung des Stromnetzes wurde in Angriff genommen. Die Erneuerung der Straßenbeleuchtung, die Kanalisation, der Ausbau der Straßen und der Bau einer Wasserleitung sowie die Regulierung des Marzerbaches waren einige der folgenden bedeutenden Leistungen unserer Gemeinde. 1972 wurden die ersten Industrieansiedlungen geschaffen und das Erdgasnetz in Betrieb genommen. Bis heute haben sich auf dem Gelände 18 Betriebe niedergelassen. Ein Zubau der Volksschule erfolgte im Jahr 1960, 1967 fand die Einweihung des neuerbauten Gemeindeamtes (heute Postamt) statt. 1969/70 wurde die Grundzusammenlegung (Kommassierung) von 330 Hektar Ackerland und Wiesen durchgeführt. Diese Maßnahme war für die landwirtschaftliche Entwicklung des Dorfes von großem Vorteil. 1976 wurde ein Ganztagskindergarten mit einer Mehrzweckhalle eröffnet. Von 1977 bis 1979 wurde nach dem Plan des Architekten Heinz Scheide die Bestattungshalle errichtet.

Mit dem Um- und Ausbau der 1772 errichteten "Heroldmühle" zu einem Gnadenhof des Wiener Tierschutzvereines - gleichzeitig Tierrettungszentrale und Tierauffangstelle für das Nord- und Südburgenland - erhielt Marz im Jahr 1984 gewissermaßen ein zusätzliches Wahrzeichen.

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